Phasen der Mediation: Ein möglicher Ablauf

Der Begriff „zertifizierter Mediator“ ist eine gesetzlich geschützte Bezeichnung und es ist genau vorgeschrieben, wie das Vorgehen auszusehen hat.

Der Begriff „zertifizierter Mediator“ ist eine gesetzlich geschützte Bezeichnung und für Mediatoren ist genau vorgeschrieben, wie die Ausbildung, die Fortbildung, die Haltung und das Vorgehen auszusehen hat. Gerne hier nachzulesen. Also nix Wischiwaschi! Sondern ein sehr strukturierter, zukunfts- und lösungsorientierter Prozess, der auf dem Harvard-Konzept basiert.

PHASE 0

Wenn Sie eine Mediatorin gefunden haben, wird sie sich zuerst - vielleicht telefonisch - ein Bild über den Konflikt machen, der Sie beschäftigt. Sie wird ganz individuell beurteilen, ob für Sie eine Mediation sinnvoll und zielführend ist. Tatsächlich sind nicht alle Konflikte für eine Mediation geeignet. Sind beide Konfliktparteien bereit, ihren Konflikt im Rahmen einer Mediation zu bearbeiten und bestenfalls zu lösen, wird die Zusammenarbeit in einem Mediationsvertrag festgeschrieben und beide Parteien erscheinen zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort.

PHASE 1: WIE WOLLEN WIR HIER ZUSAMMENARBEITEN?

Die Mediatorin wird Sie begrüßen, noch offenen Fragen zum Vertrag klären, die Rollen der einzelnen Teilnehmer darstellen, den Prozess der Mediation in den verschiedenen Phasen und deren Herausforderung darstellen und die Spielregeln besprechen. An dem Punkt denken Sie vielleicht: ‚Soweit waren wir doch schon und es hat nichts gebracht!‘

Den Unterschied macht die Mediatorin! Sie führt Sie sicher durch den gesamten Prozess der Konflikterhellung, sie verfolgt eine zielführende Vorgehensweise, sie achtet auf beide Seiten, lässt Beleidigungen und das sinnlose Zitieren von alten Gesprächsfetzen und die Aneinanderreihung von Vorwürfen nicht zu und lenkt stattdessen ihr Augenmerk auf genannte Gemeinsamkeiten.

PHASE 2: WORÜBER WOLLEN SIE HEUTE HIER SPRECHEN?

Jetzt kann jede Seite den Konflikt aus ihrer Sicht darstellen und die Bereiche benennen, in denen Uneinigkeit herrscht. Themen und Bereiche werden benannt und festgehalten und hier kristallisiert sich schnell heraus, worum es wirklich geht.

PHASE 3: WAS IST IHNEN WICHTIG UND WARUM?

Diese Phase dient der Konflikterhellung. Die einzelnen Themen werden hier angeschaut, beide Seiten stellen dar, was hier wofür und für sie ganz persönlich so wichtig ist, und wie es dazu kam, dass es in der Verfolgung der persönlichen Ziele zum Zerwürfnis kam. Dieser ruhige und umfassende Austausch ist für beide Seiten sehr wichtig, um das ganze Geschehen nachvollziehen zu können und evtl. Verständnis füreinander, für die Vorgehensweise und die dahinterstehende Motivation zu erkennen.

PHASE 4: GEMEINSAM LÖSUNGSWEGE FINDEN

Hier werden mit Kreativtechniken alle erdenklichen Lösungsmöglichkeiten gewonnen. Alles was bisher schon mal probiert wurde, alles was noch nicht probiert wurde, was andere machen, wovon Sie träumen und was Sie befürchten, wird hier erfasst. Hier kommt alles auf den Tisch, bzw. an die Pinnwand!

Im zweiten Teil der Phase 4 wird dann priorisiert: Woran wollen Sie weiterarbeiten? Was macht am meisten Sinn, was ist dringlich, was ist wichtig. Wie kommt die Kuh am besten vom Eis? Es ist oft erstaunlich, wie deckungsgleich das gewünschte Vorgehen und die Sicht der Dinge hier ist. Auch zielführendes Entgegenkommen macht sich hier oft erstaunlich breit.

PHASE 5: SO SOLL ES SEIN!

Der Abschluss besteht aus einer Vereinbarung, in der die Ergebnisse schriftlich festgehalten werden. Im detaillierten ‚Wording‘ wird nochmal genau herausgearbeitet, wie die Lösung aussieht. Wer wann was macht und wie die Ergebnisse weiterverarbeitet werden. Je detaillierter das Vorgehen hier ist, desto mehr Sicherheit und Vertrauen kommt auf beiden Seiten auf.

Das vorher so zerrüttete Verhältnis mündet in eine für beide Seiten gewinnbringende Arbeitsbeziehung, die Stress vermeidet, Ressourcen schont, vielleicht sogar Spaß macht und so noch bessere Ergebnisse zutage fördert. Aber das liegt an Ihnen!
 

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Phasen hat eine Mediation?

Eine Mediation besteht aus fünf klar definierten Phasen: Phase 1 (Spielregeln und Zusammenarbeit klären), Phase 2 (Themen und Streitpunkte benennen), Phase 3 (Interessen, Motivationen und Hintergründe verstehen), Phase 4 (Lösungen gemeinsam entwickeln und priorisieren) und Phase 5 (Abschlussvereinbarung präzise formulieren und festhalten). Die Struktur gibt allen Beteiligten Orientierung und Sicherheit - man weiß jederzeit, wo man im Prozess steht.

Was passiert in der ersten Phase der Mediation?

In Phase 1 werden alle Beteiligten begrüßt, noch offene Vertragsfragen geklärt und der gesamte Ablauf des Mediationsverfahrens erklärt. Die gemeinsamen Spielregeln - Vertraulichkeit, Allparteilichkeit, respektvoller Umgang - werden besprochen und vereinbart. Das schafft Vertrauen und die Grundlage für offene Kommunikation. Auch wenn man vielleicht denkt 'Soweit waren wir schon und es hat nichts gebracht' - den Unterschied macht die professionelle Mediatorin, die den Prozess sicher führt.

Wie läuft die Lösungsfindungsphase in der Mediation ab?

In Phase 4 werden zunächst mit Kreativtechniken alle erdenklichen Lösungsoptionen gesammelt - völlig wertfrei und ohne Bewertung. Alles kommt auf den Tisch: Was bisher schon probiert wurde, was noch nicht versucht wurde, Wünsche, Befürchtungen, Ideen. Danach wird gemeinsam priorisiert: Was ist dringlich, was wichtig, was machbar? Es ist oft überraschend, wie viel Deckungsgleichheit zwischen den Parteien dabei sichtbar wird.

Wie lange dauern die einzelnen Mediationsphasen?

Die Dauer der einzelnen Phasen hängt stark vom Einzelfall ab. Einfachere Zweier-Konflikte können manchmal in einer einzigen Sitzung vollständig abgeschlossen werden. Komplexere Fälle - z.B. Mehrparteien-Mediationen oder Unternehmensnachfolgen - erstrecken sich über mehrere Termine. Phase 3 (Interessenklärung) und Phase 4 (Lösungsfindung) erfordern meist die meiste Zeit, da hier die eigentliche Arbeit stattfindet.

Was ist das Ziel von Phase 3 in der Mediation?

Phase 3 dient der Konflikterhellung - dem vielleicht wichtigsten Schritt des gesamten Verfahrens. Alle Beteiligten erklären, was ihnen an den einzelnen Themen wichtig ist und warum es zum Zerwürfnis kam. Dieser ruhige, umfassende Austausch schafft erstmals wirkliches gegenseitiges Verständnis - und ist häufig der Wendepunkt, an dem die Parteien beginnen, sich aufeinander zuzubewegen, statt gegeneinander zu arbeiten.

Was passiert, wenn eine Mediationsphase scheitert oder stockt?

Die Mediatorin hat verschiedene Werkzeuge, um ins Stocken geratene Phasen wieder in Bewegung zu bringen: Sie kann Einzelgespräche führen, Phasen wiederholen, die Fragestellung umformulieren oder einen neuen Ansatz wählen. Mediation ist flexibel und passt sich dem Bedarf der Parteien an. Sollte am Ende wirklich keine Einigung möglich sein, steht der Rechtsweg weiterhin offen - aber erfahrungsgemäß führt Mediation auch in schwierigen Situationen überraschend häufig zum Erfolg.

Wer Konflikte
Verschleppt, Braucht sich nicht wundern …